Ein geeignetes Zuhause für Frauen mit Behinderungen in Deutschland

Frauen mit Behinderungen haben ein stark erhöhtes Risiko Opfer von Gewalt zu werden. Die Behinderung selbst kann hingegen auch Folge eines gewalttätigen Übergriffs sein. Die Problematik ist sehr komplex, da sexuelle Belästigung, Gewalt und Behinderung eng miteinander verknüpft sind. Oft steigert sich dieses Phänomen von tätlichen Angriffen, psychischer, sexueller oder ökonomischer Gewalt und kann sogar bis zum Tod führen. Der Lions Club Hermes in Hannover hat beschlossen, behinderten Frauen, die Opfer von Gewalt sind, gezielt zu helfen.

Der Lions Club Hannover Hermes: Engagement für Frauen

Der Lions Club Hannover Hermes wurde 2003 gegründet und ist Mitglied der Lions Clubs, ein internationales philanthropisches Netzwerk. Jeder Club beteiligt sich an von ihm ausgewählten lokalen, nationalen oder internationalen Aktionen. Der Lions Club Hermes in Hannover, im Norden Deutschlands, hat sich somit auf die Unterstützung von Frauen und Kindern und ihre vorübergehende Aufnahme in zwei Betreuungseinrichtungen spezialisiert. Dort bietet man den betroffenen Frauen ein sicheres Zuhause und unterstützt sie dabei, ihr Selbstvertrauen wiederherzustellen.

Ein Gebäude speziell für Frauen mit Behinderungen

Die Stadt Hannover verfügt über mehrere Heime für Frauen, die Opfer von Gewalt sind. „Die Zahlen sind schwer zu ermitteln, aber man schätzt, dass es auf Stadtebene mehrere hundert Frauen gibt, die solche Strukturen benötigen“, stellt Ralf Graute, Mitglied des Lions Club Hannover Hermes und Projektleiter, fest. Allerdings ist keine dieser Strukturen behindertengerecht. Und zwar aus gutem Grund: „Für die Aufnahme von behinderten Frauen bedarf es eines ebenerdigen Gebäudes mit Aufzügen und Sonderausstattungen, was höhere Kosten verursacht als ein herkömmliches Heim.“ Es sind jedoch gerade diese Frauen, die am dringendsten einen Zufluchtsort benötigen. Um diesen stark gestiegenen Bedarf zu decken, hat eins der beiden Heime mit etwa dreißig Betten, das Frauenhaus Hannover, 2014 eine Erweiterung durch den Bau eines behindertengerechten Gebäudes beschlossen. Die Air Liquide-Stiftung hat den Kauf von Pflegebetten für die behinderten Frauen finanziert, die von nun an in diesem Heim untergebracht werden.

Unverzichtbar für einen Neustart ins Leben

Ralf Graute, der diese Partnerschaft ins Leben gerufen hat, betont die Notwendigkeit des Ausbaus solcher Strukturen: „Ich war mit dem Air Liquide-Mitarbeiter, der Schirmherr des Projektes ist, vor Ort, um ihm die tatsächlichen Gegebenheiten zu zeigen. Die meisten Gewalttaten finden in ehelichen Beziehungen statt. Die Frauen, oft in Begleitung ihrer Kinder, finden für einige Wochen oder Monate Zuflucht im Heim, solange, bis sie sich Klarheit über ihre Zukunft verschafft haben. Die Mehrheit wird anschließend von städtischen Diensten anderweitig untergebracht oder steht auf eigenen Füßen. Ein junger Mann, der als Kind mit seiner Mutter Zuflucht im Heim gefunden hat, berichtet, dass dies seine letzte Chance auf ein normales Leben war. Heute leitet er ein Unternehmen.

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Aussage

Behinderte Frauen, die Opfer ehelicher Gewalt werden, befinden sich in einer äußerst prekären Lage. In Deutschland gibt es nur wenige Einrichtungen für Frauen, die ihren besonderen Bedürfnissen gerecht werden. Das Frauenhaus in Hannover hat in den letzten Jahren einen steigenden Bedarf festgestellt und reagiert heute auf diese Problematik. Ein Team aus 8 Mitarbeitern mit sozialpädagogischer Ausbildung hilft den Frauen bei ihrem Start in ein neues gewaltfreies Leben und bietet individuelle Unterstützung.

Dr. Ina Heitmann
Vertriebsassistentin, Licher MT