Suche nach natürlichen Insektiziden in Guyanas Wäldern

In Guyana hat die starke Vermehrung einiger Insekten wie Termiten und Mücken negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Wirtschaft. Nun wird aber der Einsatz von synthetischen Insektiziden, die heute in großem Umfang verwendet werden, aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf die Stabilität der Ökosysteme und das Auftreten von Resistenzen bei den betreffenden Insekten in Frage gestellt. Das Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) (staatliches Zentrum für wissenschaftliche Forschung) und seine Partner suchen nach einer natürlichen Lösung für diese Problematik.

Dieses innovative Projekt hat dem CNRS in Guyana die Auszeichnung der Air Liquide-Stiftung für wissenschaftliche Umweltforschung eingebracht. 

Ein außergewöhnlicher Schatz an biologischer Vielfalt für die Forschung

Mehr als 90% der Gesamtfläche des französischen Übersee-Départements Guyana sind von Tropenwald bedeckt. Ein ideales Naturlabor zur Untersuchung des Umwelteinflusses auf die Entwicklung lebender Organismen und ihres Verhaltens. Das CNRS ist Mitglied der Unité Mixte de Recherche Écologie des Forêts de Guyane (EcoFoG) (Gemischte Forschungseinheit Ökologie der Wälder Guyanas), die zwei Ziele verfolgt: die Zusammenhänge zwischen der Biodiversität und der Funktionsweise der Waldökosysteme verstehen und die Innovationstätigkeiten bei der Aufwertung der forstwirtschaftlichen Ressourcen fördern.

Die chemische Ökologie als Inspirationsquelle

Das Projekt des CNRS* ist darauf ausgelegt, natürliche, von Pflanzen durch Synthese hergestellte Moleküle mit Insektizideigenschaften zu bestimmen, die eine Alternative zu den synthetischen Molekülen sein können. Es ist dringend notwendig, natürliche Insektizide zu finden, „die Vorteile im Bezug auf Remanenz und Selektivität bieten, da einerseits natürliche Moleküle in der Umwelt schneller abgebaut werden und andererseits die Pflanzen eine Reihe sehr spezifischer Chemikalien entwickeln,“ erklärt Emeline Houël, CNRS-Forschungsingenieur innerhalb der UMR EcoFoG und Projektleiter. In erster Linie geht es darum, im Wald Pflanzen zu sammeln, die interessant erscheinen. Guillaume Odonne, Forscher im CNRS in Guyana, fasst die Auswahl zusammen: „Wir erhoffen uns, durch Untersuchung der Pflanzen und chemischen Mechanismen, die sie einsetzen, um sich gegen Insekten oder Pflanzenfresser zu schützen, noch wirkungsvollere Insektizid-Moleküle zu finden. Eben diese Moleküle wollen wir zur Bekämpfung anderer Insekten, insbesondere jener, die Krankheiten übertragen, verwenden.

Die Identifizierung von Insektizid-Molekülen im Labor

Die verschiedenen gesammelten Pflanzenteile werden im Labor getrocknet und zermalmt. Das so gewonnene Pulver wird mit einem Lösungsmittel vermischt, das die Moleküle extrahiert. Nach der Verdampfung wird das gewonnene Rohextrakt an Termiten und Mückenlarven getestet. „ Im Rahmen unseres Projekts sind wir davon ausgegangen, dass eine Pflanze eine faktische Insektizidwirkung aufweist, wenn eine mehr als 50%ige Larvensterblichkeit bei einer gewählten Dosis aktivem Insektizidextrakts (100 µg/ml) erreicht wird,“ erläutert Isabelle Dusfour, medizinische Entomologin am Institut Pasteur de la Guyane, einem Partner des CNRS.

Für eine umweltschonende Forschung

Die Stiftung hat den Kauf eines Rotationsverdampfers finanziert, der eine höhere Produktivität bei der Fertigung von Pflanzenextrakten ermöglicht, sowie den Kauf eines Gefriertrockners, mit dessen Hilfe die aus den Pflanzen gewonnenen Wasserextrakte getestet werden können. Das Labor konnte auch effiziente Auffangsysteme für verdampftes Lösungsmittel anschaffen, um die Emissionen zu begrenzen und das Lösungsmittel innerhalb des Labors wieder zu verwerten. Im Rahmen des Projekts wurden schon 7 Pflanzen mit Insektizideigenschaften bestimmt. Ein erstes Patent zur larviziden Wirkung eines Holzextrakts und seiner Moleküle wurde angemeldet und fünf Publikationen stehen zudem vor dem Abschluss.

[divider]

[divider]

Weitere Informationen

[divider]

* Mit Unterstützung des Fonds Européen de Développement Régional et de la Région Guyane (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung und Entwicklung der Region Guyana) und in Zusammenarbeit mit dem Institut Pasteur de la Guyane, der Universität von Guyana, der Universität der Antillen und Guyane Développement Innovation (GDI) durchgeführte Studie

[divider]

Aussage

Dieses Projekt ist eine interessante und innovative Initiative. Eingesetzt in einem Umweltschutzvorhaben, das Zweck ist, natürliche Alternativen zu synthetischen Insektiziden zu finden. Außerdem würde eine groß angelegte Verwendung von Insektiziden aus natürlichen Extrakten eine Ausweitung der Anpflanzungen in der Region begünstigen. Verbunden mit einer Reduzierung der umweltschädlichen Insektizide, die sich in Gewässern und Böden anreichern, wird durch dieses Projekt auch der Nährstoffkreislauf verbessert.